Tension

Theatralisch fuhr sie sich durch das Haar. “Meine Frisur sieht heute absolut schrecklich aus!“

Nach den letzten 6 Wochen reichte selbst diese kleine Geste, um mich an den Rand einer spontanen Selbstentzündung zu bringen. „Halt den Mund! Ist es dir schon mal in den Sinn gekommen, dass es heute nicht um dich geht?!“

Als wir uns ansahen, waren ihre Augen groß und tränennass. „Aber an dem Tag, als es um mich ging, habe ich mich auch für dich gefreut, dass deine Haare toll aussahen“, sagte sie leise.

Das Gegenargument lag auf meiner Zunge. Ich war bereit, ihren Kommentar abschmettern oder mich über ihre Selbstbezogenheit aufzuregen. Aber es ging nicht. Seufzend schlossen sich meine Lippen. „Es tut mir leid.“

Unter diesen Vorzeichen war die Feier am Abend von Spannungen gekennzeichnet.

Als alle in einem dichten Kreis beisammen standen und ich ein Glas an den Mund führte, machte sie während dem Sprechen eine ausladende Handbewegung. Die Mischung aus Sekt und Erdbeerlimes goss sich über meinen Hals und das helle Kleid. Erschrocken schnellten ihre Augen zu mir. Das Gefühl der Selbstentzündung baute sich wieder in mir auf und ich stellte mit Genugtuung fest, dass sie diesmal nichts dagegen tun konnte, weil ich im Recht war. Sie wagte es nicht, auch nur ein Wort zu sagen. Und während sie wie ein Reh im Scheinwerferlicht dastand, entlud sich meine aufgestaute Wut nicht in einem Pfeilhagel bitterer Worte, sondern als herzhaftes Lachen. „Weißt du was? Manchmal hilft nichts besser als ein kleines Missgeschick, um die Spannung zu beseitigen.“

9.7.13 15:25

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